Samstag, 3. Februar 2018

WAR FOR THE PLANET OF THE APES (Matt Reeves, 2017)

Nach dem nur bedingt gelungenen Dawn of the Planet of the Apes zeigt die Formkurve beim nunmehr dritten Teil der Affensaga wieder steil nach oben. Erzählt wird eine fesselnde Geschichte, die zahlreiche Themen klassischer Kriegsfilme aufgreift: Vertreibung, Verfolgung, Gefangenschaft, Unterdrückung, Folter, Flucht und Befreiung. Der Beginn könnte auch im Vietnamkrieg spielen – abgesehen von der Tatsache, dass die menschlichen Soldaten hier gegen Affen kämpfen. Und im weiteren Verlauf ließ man sich ganz offensichtlich u. a. von Apocalypse Now inspirieren, was auch durch ein nettes Wortspiel in Form eines Graffitis untermauert wird. Der von Woody Harrelson überzeugend verkörperte namenlose Colonel, dem seine Männer bedingungslos ergeben sind, erinnert dabei frappierend an Colonel Kurtz aus Coppolas Meisterwerk. Wenn man will, kann man in der Handlung auch noch einen biblischen Aspekt ausmachen. Wie Moses befreit Caesar das Affenvolk aus der Knechtschaft und führt es durch die Wüste ins gelobte Land.

Sehenswert ist War for the Planet of the Apes nicht zuletzt wegen seiner geradezu sensationellen Special Effects. Nicht nur, dass die Affen perfekt animiert sind; es gelang auch, zumindest den wichtigsten Affen-Charakteren individuelle Züge zu verleihen und sie dadurch von der Masse unterscheidbar zu machen. Andrew Serkis Leistung ist in diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben. In seinen Zügen spiegeln sich Emotionen wie Liebe, Wut oder Hass deutlich erkennbar wieder, und dennoch hat man immer das Gefühl, einem Schimpansen zuzusehen. Hervorragend umgesetzt ist auch der Lawinenabgang am Ende, der die brutalen Naturgewalten für den Zuschauer hautnah erlebbar macht.

Ungeachtet der Tatsache, dass einige Schwachpunkte des Vorgängers auch hier wieder vorhanden sind – beispielhaft sei die eigenartige Kommunikation der Affen untereinander mittels Gebärdensprache genannt – bietet War for the Planet of the Apes 140 Minuten beste Unterhaltung und zugleich einen würdigen Abschluss der Affen-Trilogie.

Mittwoch, 31. Januar 2018

WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT (Peter Thorwarth, 2002)

Willste quatschen oder ficken?

Ziemlich flache deutsche Komödie, die über weite Strecken trotzdem ganz leidlich unterhält. Richtig witzig ist Thorwarths Film eigentlich nie, aber die ein oder andere Szene regt durchaus zum Schmunzeln an. Das größte Plus sind zweifellos die sympathischen Darsteller: Dietmar Bär, Willi Thomczyk, Armin Dillenberger oder der aus den Tom-Gerhardt-Filmen bekannte Hilmi Sözer. Ralf Richter mag ich nicht unbedingt, aber seine Standard-Rolle als Ruhrpott-Assi beherrscht er zweifellos perfekt. Zudem kommen noch diverse Kultfiguren aus dem Pott wie Herbert Knebel, Tana Schanzara oder Heinrich Giskes zu Kurzauftritten. Die Einbindung der Liebesgeschichte zwischen der von Alexandra Maria Lara gespielten Astrid und dem in Sachen Liebe noch grünen Philipp (Mr. Thorwarth höchst selbst) ist nicht sonderlich gelungen, aber irgendwie musste schließlich eine attraktive Dame mit von der Partie sein, und diesen Part füllt Lara sehr überzeugend aus.

Obwohl die Story, die die Grundlage für den gleichnamigen Kurzfilm aus dem Jahr 1997 bildete, auf Spielfilmlänge gedehnt wurde, langweilt man sich während der insgesamt gut 100 Minuten nicht. Ein Kandidat für eine Zweitsichtung ist Was nicht passt, wird passend gemacht indes ganz sicher nicht. Da schaue ich mir lieber zum zehnten Mal Superstau an.

Freitag, 19. Januar 2018

KONG: SKULL ISLAND (Jordan Vogt-Roberts, 2017)

Meine Erwartungen an dieses King-Kong-Spin-Off waren nicht sonderlich hoch, doch konnte ich mir dieses als jemand, der die diversen Sichtungen des 1933er Originals zu seinen liebsten Kindheitserinnerungen zählt, natürlich nicht entgehen lassen. Und erstaunlicherweise erweist sich Kong: Skull Island als äußerst kurzweiliger und unterhaltsamer Film, der mit gleich mehreren Pfründen wuchern kann. Da sind zunächst die atemberaubend schönen Landschaften Vietnams, die in ihrer fremden Exotik die perfekte Kulisse für das der zivilisierten Welt verborgene Skull Island bilden. Mit John Goodman, Samuel L. Jackson, Tom Middleston, Brie Larson oder John C. Reilly – um nur einige zu nennen – ist es zudem gelungen, eine beeindruckend namhafte Darstellerriege zu versammeln. Und nicht zuletzt ist der Actionanteil nach einer kurzen Exposition zu Beginn sehr hoch und sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Vogt-Roberts drückt die meiste Zeit über mächtig aufs Tempo und gibt seinen Protagonisten und dem Zuschauer kaum Gelegenheit Luft zu holen. Vor allem aber wird man bei der Sichtung von einem ständigen Gefühl der freudigen Erwartung begleitet verbunden mit der Frage, welches phantasievoll gestaltete Wesen denn nun als nächstes in Erscheinung treten mag. 

Technisch ist das ebenfalls ziemlich beeindruckend, was sich auf der Leinwand abspielt. Die Kreaturen sind hervorragend animiert, wobei insbesondere Kong täuschend echt aussieht. Seine Art sich fortzubewegen erinnert mit dem majestätischen Gang allerdings wenig an einen Affen, was aber sicherlich gewollt ist, um seinen Status als ungekrönter König der Insel zu unterstreichen. Der Beauty-and-the-Beast-Aspekt wird nur zaghaft angedeutet, beispielsweise in einer Szene, in der Kong Mason vor dem Ertrinken rettet. Dafür werden als Erklärung für die Existenz der prähistorischen Kreaturen einige verworrene Lovecraft-Anleihen bemüht, die jedoch im Laufe des Films nicht weiter vertieft werden. Glücklicherweise, muss man sagen, denn die Existenz der Tiere genauer erklären zu wollen, wäre nicht nur unnötig, sondern ihrer mystischen Wirkung womöglich auch abträglich gewesen.

Zusammen mit dem stimmungsvollen Score, der die Atmosphäre der 70er Jahre trefflich einfängt, ergibt sich eine rundum gelungene Mischung, die zwei Stunden lang ausgezeichnet zu unterhalten weiß. Und mit der Heimkehr des vermissten Kampfpiloten Marlow zu seiner Familie nach fast 30 Jahren gibt es sogar noch eine berührende Schlussszene.

Dienstag, 16. Januar 2018

DUNKIRK (Christopher Nolan, 2017)

We need our army back.

Dass ich den Arbeiten des 47-jährigen Briten sehr zugetan bin, habe ich ja schon bei verschiedenen Gelegenheiten kundgetan, wobei mich im Vorfeld der Sichtung von Dunkirk die Frage umgetrieben hat, inwieweit Nolan auch bei einem solchen Sujet seiner Angewohnheit, seine Filme in mehreren Erzählebenen anzulegen, treu bleiben würde. Erwartungsgemäß kommt er hier ohne Plottwists oder einen versteckten Kontext aus. Die Besonderheit besteht vielmehr darin, dass die Ereignisse aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt werden, wobei jede eines der drei Elemente repräsentiert, um die und in denen Krieg geführt wird: Land, Wasser und Luft.

Der Focus liegt dabei auf der Land-Perspektive, repräsentiert durch den jungen Soldaten Tommy, der von seiner Einheit getrennt wurde und versucht, ein Schiff zu erreichen, das ihn zurück nach England bringt. Dabei gelingt es ihm zwar immer wieder, an Bord eines Schiffes zu gelangen, doch muss er stets fliehen, weil jedes Schiff von den Deutschen versenkt wird, bevor es überhaupt in die Nähe englischer Gewässer gekommen ist.

Dunkirk ist für Nolan-Verhältnis ungewöhnlich spartanisch in seiner Erzählweise. Der Brite verzichtete auf allen Schnickschnack, für den er ansonsten bekannt ist. Einzig der ständige Wechsel der Perspektive verlangt vom Zuschauer ein Minimum an Aufmerksamkeit. Gesprochen wird relativ wenig. Die Dialoge beschränken sich auf das Nötigste. Auch der Score von Hans Zimmer hält sich stark zurück. Musik im eigentlichen Sinne gibt es kaum. Vielmehr konzentrierte sich der Komponist darauf, eine wirkungsvolle Klangkulisse zu schaffen, in die die im Krieg allgegenwärtigen Geräusche gekonnt eingearbeitet wurden. Dies trägt in Verbindung mit der kompakten Erzählweise zu einer immensen Spannung bei, die sich über die gesamte – ungewöhnlich kurze – Spielzeit immer weiter zuspitzt. Die verschiedenen Perspektiven zeigen dabei gut die Ausweglosigkeit der Gesamtsituation. Man kann dem Krieg nicht entkommen, egal was man tut. 

Dunkirk unterscheidet sich somit recht deutlich von dem üblichen Schema, nachdem Kriegsfilme – insbesondere solche über den zweiten Weltkrieg – ansonsten funktionieren. Wobei der historische Hintergrund kaum thematisiert wird und im Grunde genommen gar keine Rolle spielt. Dafür ist man als deutscher Staatsbürger dann auch regelrecht dankbar, wenn man einen Film über den zweiten Weltkrieg sieht, in dem ausnahmsweise mal nicht die Garstigkeit der Deutschen herausgestellt wird. Diese sind hier nur der gesichtslose, übermächtig erscheinende Feind, doch könnte diese Rolle losgelöst vom Kontext genauso gut von einer anderen Nation ausgefüllt werden. Erst in der letzten Szene des Films bekommt man einige deutsche Soldaten kurz zu Gesicht.

Im Gegensatz zu vielen euphorischen Kritikern würde ich Dunkirk nicht unbedingt als Meisterwerk bezeichnen. Da gibt es andere Nolan-Filme, die diese Bezeichnung eher verdienen. Einer der besten Kriegsfilme der vergangenen Jahre ist er aber zweifellos. Und weniger durfte man von Nolan auch nicht erwarten.

Donnerstag, 30. November 2017

LIFE (Daniel Espinosa , 2017)

Gelungener Alien-Klon, der nicht nur mit guten Effekten sondern auch einer stetig ansteigenden Spannungskurve überzeugen kann. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass Life die Klasse des Originals nicht erreicht, und doch kann er im direkten Vergleich zumindest einen Vorteil dadurch für sich verbuchen, dass er in der Gegenwart und auf der real exisitierenden Weltraumstation ISS spielt. Dies geht mit einem deutlich größeren Realismus einher. Mit ein klein wenig Phantasie ist es durchaus vorstellbar, dass sich die Handlung so zutragen könnte, während die Story von Alien in weit entfernter Zukunft in einer fremden Galaxie angesiedelt ist und zahlreiche technische Weiterentwicklungen voraussetzt, die es so heute noch nicht gibt und auch in absehbarer Zeit nicht geben wird. Durch diesen Realismus gelingt es auch sehr gut, die Sensation und die Aufgeregtheit zu transportieren, die das Auffinden einer außerirdischen Lebensform darstellt. Die anfängliche Faszination gepaart mit wissenschaftlichem Forschungsdrang weicht jedoch schnell dem Gefühl, das von dem zunächst so harmlos erscheinenden Wesen eine große Gefahr ausgeht. Und auch wenn die Protagonisten sehenden Auges in ihr Unglück laufen, wirkt ihr Verhalten immer realistisch, denn welcher Wissenschaftler würde einen solchen außergewöhnlichen Fund nicht näher untersuchen wollen?

Wie beim großen Vorbild herrscht auch hier eine beklemmende, in weiten Teilen auch klaustrophobische Atmosphäre vor – gepaart mit der sich immer stärker manifestierenden Gewissheit, dem zunehmend aggressiv agierenden Wesen nahezu schutzlos ausgeliefert zu sein. Bei den Darstellern ragt natürlich Jake Gyllenhaal heraus, der wie immer eine erstklassige Vorstellung abliefert. Doch auch der Rest der Besetzung kann überzeugen. 

Unter dem Strich ist Life ein äußerst gelungener Science-Fiction-Thriller, der – nicht zuletzt aufgrund der knackig kurzen Spielzeit und der minimalistischen Herangehensweise ausgesprochen gut unterhält. Und das Ende ist ein echter Killer.

Dienstag, 28. November 2017

HELL OR HIGH WATER (David Mackenzie, 2016)

Die Sichtung bin ich völlig unvorbereitet angegangen. Ich hatte zuvor weder Kritiken gelesen, noch wusste ich, worum es in der Handlung geht. Und doch dauerte es nur wenige Minuten bis ich mitten drin war in dieser faszinierenden Geschichte um zwei ungleiche Brüder (der unbeherrschte, zu Gewaltausbrüchen neigende Tanner und der clevere, besonnene Toby), die mehrere Filialen einer regionalen Bank überfallen, um von dem erbeuteten Geld das Hypothekendarlehen abzulösen, das auf dem Grundstück ihrer verstorbenen Mutter lastet. Der Grund dahinter sind keine nostalgischen Gefühlsaufwallungen sondern rein wirtschaftliche Interessen, denn auf dem Grundstück wurde eine Ölquelle entdeckt, die nun darauf wartet, ausgebeutet zu werden. Symmpathischerweise wollen die beiden das Geld jedoch nicht für sich. Vielmehr soll damit der Lebensstandard von Tobys Söhnen gesichert werden.

Dabei gelingt es Mackenzie, Verständnis für das Anliegen der Bankräuber beim Zuschauer zu wecken, ja, man ist fast versucht, ihnen die Daumen zu drücken, dass alles gut gehen möge, zumal die beiden – zumindest zu Beginn – sehr behutsam vorgehen und genau darauf achten, niemanden zu verletzen. Dafür dass die Sichtweise nicht zu einseitig wird, sorgt die ebenfalls sehr detaillierte Darstellung der Gegenseite. Texas-Ranger Hamilton, der wenige Tage von seiner Pensionierung entfernt ist, und sein Partner Parker, der sich aufgrund seiner indianischen Abstammung ständigen Frotzeleien seines Kollegen ausgesetzt sieht, nehmen die Verfolgung auf.

Aus dieser Konstellation entwickelt der schottische Regisseur ein fesselndes Katz-und-Mausspiel, das weniger von den sparsam eingesetzten Actionszenen als vielmehr von den detailliert gezeichneten Charakteren und der sorgsam ausgearbeiteten Dramaturgie lebt. Dabei steigt die Spannungskurve kontinuierlich an, wobei man als Zuschauer natürlich schon früh ahnt, dass die Situation früher oder später eskalieren wird. Die großartigen Darsteller dürfen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, insbesondere Jeff Bridges liefert eine mitreißende Vorstellung ab. In Kombination mit den pointierten Dialogen und dem äußerst gelungenen Score, für den Nick Cave verantwortlich zeichnet, ergibt sich ein faszinierender Mix aus Western und Roadmovie, der mich regelrecht begeisterte.

Angesichts dieser Qualitäten gelingt es auch leicht, über die wohlfeile Kapitalismus-Kritik hinwegzusehen, die sich bei dem Thema natürlich geradezu aufdrängt. Die beiden Brüder verkörpern dabei eine Art modernen Robin Hood, der den geldgierigen, skrupellosen Banken das Geld abnimmt, das sie den armen Kunden zuvor abgepresst haben, die ihnen natürlich schutzlos ausgeliefert sind. So weit, so billig. Immerhin lässt Mackenzie seinem sozialistischen Gedankengut nur hin und wieder freien Lauf und reitet nicht penetrant darauf herum. Und so kann man als Zuschauer angesichts der ansonsten vielfältig vorhandenen Qualitäten des Films mit einem gönnerhaften Schmunzeln darüber hinweg sehen.

Gut gelungen auch das Ende, in dem es zur finalen Konfrontation zwischen dem inzwischen pensionierten Hamilton und Toby kommt. Hamilton kennt natürlich die Wahrheit, sieht sich aber mangels Beweisen nicht in der Lage, Toby ans Messer zu liefern. Und so zieht er desillusioniert von dannen. Toller Film!

Dienstag, 31. Oktober 2017

KING ARTHUR: LEGEND OF THE SWORD (Guy Ritchie, 2017)

Schon in den ersten Minuten wird einem klar, dass man einem Guy-Ritchie-Film beiwohnt. Der eigenwillige Stil des Briten, der u. a. von zahlreichen Jump-Cuts und hektisch geschnittenen Dialogen gekennzeichnet ist, ist von Anfang an erkennbar, will aber nicht recht zum Thema des Films passen. Wobei ohnehin klar war, dass Ritchie nicht einfach nur die Artus-Sage nacherzählen würde, sondern ein buntes Potpourri aus Elementen der Vorlage und zusätzlichen Ideen bieten würde. Insbesondere der mythische Teil der Geschichte wurde stark ausgedehnt und um zahlreiche zusätzliche Elemente ergänzt, was sich jedoch nicht unbedingt positiv bemerkbar macht. Und angesichts der gigantischen Elefanten, mit denen Mordreds Männer zu Beginn des Films Camelot angreifen, beschleicht einen der Gedanke, die Drehbuchschreiber hätten sich an der ein oder anderen Stelle von Jacksons Lord of the Rings inspirieren lassen.

Auf der Habenseite stehen das hohe Erzähltempo, die dynamische Inszenierung und der gelungene Score, der modern und zeitgemäß klingt, sich dabei aber auch Versatzstücken mittelalterlicher Klänge bedient, wobei die Handlung eigentlich gar nicht im Mittelalter angesiedelt ist, sondern viel früher. Passt aber irgendwie trotzdem ganz gut. Zudem gibt Charlie Hunnam in der Titelrolle einen durchaus charismatischen Anführer, der – so viel Klischee muss sein – natürlich erst seine eigenen Zweifel und Ängste überwinden muss, bevor er das Schwert Excalibur und die Macht, die es verleiht, kontrollieren kann. Jude Law mimt dabei einen herrlich fiesen Gegenspieler, der vor keiner Gräueltat zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen.

King Arthur: Legend of the Sword ist nicht zuletzt aufgrund seiner überschaubaren Laufzeit ein recht kurzweiliger Film, der ganz ordentlich unterhält, ohne dabei nachhaltig beeindrucken zu können. Jedenfalls nicht so, dass eine Fortsetzung gerechtfertigt wäre, wobei die Gestaltung des Titels ja genau dies nahelegt. Nettes Popcorn-Kino für den anspruchslosen Filmfreund, mehr nicht.

Dienstag, 24. Oktober 2017

7 DÍAS EN LA HABANA (diverse Regisseure, 2012)

Sieben kleine Geschichten, jeweils inszeniert von einem Regisseur: das Konzept ist nicht neu, ist aber ohne Zweifel ein adäquates Mittel, ein lebendiges Portrait einer Stadt zu zeichnen. Wie meist bei solchen Filmen fällt die Qualität der einzelnen Arbeiten, die hier jeweils einen Wochentag repräsentieren, unterschiedlich aus. Während drei davon jeweils aus der Sicht eines Ausländers erzählt werden, der sich aus unterschiedlichsten Gründen vorübergehend in der Stadt aufhält, konzentrieren sich die anderen hauptsächlich auf einheimische Figuren und bringen dadurch dem Zuschauer einen Teil des alltäglichen Lebens in der kubanischen Metropole näher. Besonders gelungen ist dies in der Episode „Cecilias Versuchung“, die die in Havana herrschende Armut thematisiert und die daraus entstehende Versuchung, dieses Leben hinter sich zu lassen und das Glück in Europa – in diesem Fall Spanien – zu suchen. Auch „Bittersüß“ greift das Thema Armut auf und zeigt einen ebenso ereignisreichen wie hektischen Tag im Leben der Psychologin Mirta, die aufgrund ihrer Fernsehauftritten zwar landesweit bekannt ist, sich aber dennoch mit mehreren Jobs finanziell über Wasser halten muss. 

Die letzte Geschichte „Der Brunnen“ betont vor allem die Solidarität und den Zusammenhalt der Menschen. Weil der durchgeknallten Martha in ihren Träumen die heilige Jungfrau erschienen ist, will sie ihr unbedingt ein Denkmal bauen. Ihre Freunde und Nachbarn setzen alle Mittel in Bewegung, trotz nicht vorhandener finanzieller Mittel die notwendigen Baustoffe zu beschaffen.  Auffällig ist die heitere Grundstimmung, die die Mehrzahl der Geschichten verbreitet, obwohl die Lebensumstände der Protagonisten alles andere als erfreulich sind. Von der Lebensfreude der Kubaner lässt sich selbst der griesgrämige serbische Regisseur Emir Kusturica anstecken, der sich in der betreffenden Episode selbst spielt und den die musikalischen Talente seines Taxifahrers bald seine privaten Probleme vergessen lassen. Wie ein Fremdkörper wirkt hingegen die bewusst provokante Arbeit des Franzosen Gaspar Noé, der eine Art Teufelsaustreibung zeigt, in der versucht wird, einem jungen Mädchen seine lesbischen Neigungen auszutreiben. Und auch mit Elia Suleimans Erzählung wurde ich nicht warm, in der der palästinensische Regisseur sich selbst verkörpert und ziellos in Havana umherirrt, während er auf einen Termin mit Fidel Castro wartet, der aber lieber eine endlos lange Rede vor seinen Anhängern hält. Ansatzweise fühlt man sich hier an Luis Buñuel erinnert, letztlich langweilt man sich aber einfach nur.

Unter dem Strich ist 7 días en La Habana ein recht unterhaltsamer Film, der dem Zuschauer interessante Einblicke verschafft und ein differenziertes Bild der kubanischen Gesellschaft vermittelt, das zumindest auf mich als Außenstehenden weitgehend authentisch wirkt. Dazu gehört auch Kritik am Kapitalismus der westlichen Welt, die jedoch nur unterschwellig und niemals penetrant geäußert wird.

Samstag, 30. September 2017

ALIEN: COVENANT (Ridley Scott, 2017)

There have been a few updates since your day.

Nach dem in meinen Augen außerordentlich gelungenen Prometheus waren meine Erwartungen an die Fortsetzung entsprechend hoch. Die entgegen den ursprünglichen Plänen getroffene Entscheidung, sich inhaltlich und optisch wieder mehr dem ersten Alien-Film anzunähern, findet nicht meine ungeteilte Zustimmung. Dabei ging nämlich die mystische Komponente größtenteils verloren, die den Vorgänger auszeichnete. Statt mehr über die Xenomorphe zu erfahren, hätte ich mir weitere Informationen über die Engineers gewünscht, diese ebenso rätselhafte wie faszinierende Rasse. Doch obwohl diese Erwartungen letztlich nicht erfüllt wurden, ist Alien: Covenant ein rundum stimmiger und sehr gelungener Film geworden, der quasi die Lücke zwischen Prometheus und Alien schließt.

Die Story mutet wie eine wilde Zusammenstellung von Komponenten aus Frankenstein, Blade Runner und eben Alien an, deren zentrales Thema die Auflehnung gegen den eigenen Schöpfer bildet, wobei der Androide David hier Schöpfer und Kreatur in einer Person vereint. Dabei stand Michael Fassbender vor der Herausforderung, zusätzlich noch den Androiden Walter zu spielen, ein weiterentwickeltes Modell des Prototypen David, der den Menschen, denen er dienen soll, gegenüber loyal ist. Die Doppelrolle meistert er mit Bravour, und so ist es vor allem sein nuanciertes Spiel, das zu den großen Stärken des Films zählt.

Die Idee, im Vorfeld des Kinostarts zwei Teaser in Form von Prologen über die Videoplattform youtube zu veröffentlichen, ist durchaus originell. Und zumindest der zweite Kurzfilm, The last Supper, ist eine sinnvolle Ergänzung der Geschichte, hilft er doch dabei, die Besatzungsmitglieder der Covenant besser kennen zu lernen. Und die Aussage des Captain Branson, dass er sich ausgebrannt fühle, ist angesichts des Schicksals, das ihn zu Beginn des Hauptfilms ereilt, natürlich sehr treffend.

Die Settings sind nicht ganz so beeindruckend wie beim Vorgänger ausgefallen, was auch daran liegt, dass Planet IV der Erde von den Bedingungen sehr ähnlich sein soll und durch seine Bewohner vor ihrer Auslöschung bereits kultiviert worden war. Der Handlungsstrang dort folgt dann vorwiegend dem Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip, indem die Crew nach und nach immer weiter durch die Xenomorphe dezimiert wird. Die Actionszenen sind rasant inszeniert und werden recht dosiert eingesetzt. Und gerade wenn man denkt, es wird doch noch alles gut, hält das Finale noch einen letzten fiesen Nackenschlag bereit.

Montag, 4. September 2017

SILENCE (Martin Scorsese, 2016)

Eine schwierige Sache, das mit Scorseses neuestem Werk. Dass das Projekt für den Katholiken Scorsese, der selbst in seiner Jugend eine Jesuitenschule besucht hat und ursprünglich plante, Priester zu werden, eine Herzensangelegenheit war, kann man sich gut vorstellen. Wenn jemand ein Projekt über 25 Jahre lang verfolgt, kann man schon von einer Art von Besessenheit sprechen. Mir hingegen fiel es schwer, als jemand, der mit Kirche und Religionen überhaupt nichts anzufangen weiß, Zugang zu dem Film zu finden.
     
Beeindrucken kann Silence vor allem mit den tollen Landschaftsaufnahmen, insbesondere der rauen Küste Taiwans, die hier das historische Japan abbilden soll. Verantwortlich für die grandiosen Bilder zeichnet der Mexikaner Rodrigo Prieto, mit dem Scorsese bereits bei The Wolf of Wall Street zusammengearbeitet hat. Wie der Filmtitel nahelegt, ist die musikalische Untermalung äußerst spärlich ausgefallen und meist kaum wahrnehmbar bis nicht vorhanden. Diesbezüglich vermisst man auch nichts, das starke Rauschen des Windes und das Peitschen der Wellen sind Soundkulisse genug. Auch Sets und Kostüme sind ohne Abstriche hervorragend und tragen ihren Teil dazu bei, dass die Atmosphäre während der japanischen Isolation perfekt eingefangen wurde.

Die Handlung als solche ist relativ belanglos: zwei jesuitische Pater reisen von Portugal nach Japan, um ihren Mentor Pater Ferreira zu finden, der seit geraumer Zeit verschwunden ist und Gerüchten zufolge dem Glauben entsagt haben soll. In Japan angekommen, sehen sie sich sofort der Verfolgung durch die Inquisitoren des Kaisers ausgesetzt und müssen sich wie Tiere verstecken.

Wie gesagt: mit Religionen kann ich nichts anfangen. Somit hatte ich von Beginn an Probleme, mich mit den Protagonisten zu identifizieren, zumal es sich um verblendete Spinner handelt, die – wie alle religiösen Fanantiker – den eigenen Glauben als den einzig wahren und seligmachenden ansehen. Dabei wird einer der beiden, Rodrigues (dem anderen wird irgendwann durch die Inquisition der Garaus gemacht), beinahe zur Jesusfigur stilisiert und dem angeblichen Sohn Gottes dabei auch optisch immer ähnlicher. Dadurch dass die Handlung aus seiner Sicht erzählt wird, ist der Blickwinkel auf den Konflikt sehr einseitig, und Scorsese tut über lange Zeit wenig, um diesen Eindruck zu korrigieren. Erst in der zweiten Hälfte des Films werden die Motive der Gegenseite thematisiert und dadurch Verständnis für ihren Standpunkt geweckt. Ganz abgesehen davon, dass auch die Inquisition der katholischen Kirche jahrhundertelang Andersgläubige verfolgte, folterte und tötete, was in dem Film natürlich mit keinem Wort erwähnt wird. Da verwundert es nicht, dass die Uraufführung im Vatikan stattfand und Scorsese sogar beim Papst vorsprechen durfte. Bessere Propaganda für die eigene Sache konnte man sich dort kaum wünschen.

Den rationalen Gegenpol zu dem besessenen Rodrigues bildet der durch die Inquisition geläuterte Pater Ferreira, der von Liam Neeson gewohnt charismatisch verkörpert wird. Diesem gelingt es schließlich, Rodrigues davon zu überzeugen, der Form halber von seinem Glauben abzulassen. Dass es sich dabei nur um ein Lippenbekenntnis handelt, belegt die letzte Szene, in der Rodrigues‘ Witwe dem Verstorbenen noch heimlich ein Kruzifix zusteckt, bevor er verbrannt wird. 
     
Silence hat – wie vorstehend beschrieben – durchaus seine Stärken. Als historisches Sittengemälde funktioniert er ganz ausgezeichnet. Inhaltlich hingegen hat er - zumindest für nicht religiöse Menschen - wenig zu bieten, zumal die Laufzeit mit rund 160 Minuten auch recht stattlich ausgefallen ist. Durchhaltevermögen ist gefragt. So bleibt unter dem Strich ein zwiespältiger Eindruck.